Die am meisten wiederholte Kritik (sowohl verbal als
auch in der Befragung) betrifft den Stoffumfang. Darüber haben wir uns auch am
meisten Gedanken gemacht und sind zu der Meinung gekommen, dass der Kritik ein
falscher Wertmaßstab zugrunde liegt. Für ein 10-Punkte-Modul ist ein Workload
von 300 Stunden vorgesehen ist. Ob es sich dabei um ein Haupt- oder um ein
Nebenfach handelt, spielt keine Rolle. Es ist auch nicht maßgebend, wie leicht
oder wie schwer 10 LP in anderen „Kernfächern“ zu bekommen sind. Entscheidend
sind die 300 Stunden.
Wir Lehrenden haben nicht den Eindruck, dass diese
Zeit auch nur annähernd genutzt worden ist, um sich den Stoff anzueignen.
Dieser Eindruck wird einerseits durch eine Reihe sehr guter Klausuren gestützt,
für die die Vorbereitungszeit also durchaus gereicht hat, und andererseits
dadurch, dass bei den weniger guten Klausuren auch nicht die Spur einer
eigenständigen Beschäftigung mit dem Thema zu erkennen war. Wer glaubte, ohne
Selbststudium und ohne Besuch der Lehrveranstaltung „durchzukommen“, ist auf
die Nase gefallen. Wir sind der Meinung: zu Recht.
Diese Äußerung, die wir aus der ersten Stellungnahme
übernommen haben, mag den Eindruck von Schadenfreude über die vielen Fünfen
erzeugt haben, die es eben auch gab. Für Schadenfreude besteht aber auf unserer
Seite überhaupt kein Anlass, da gerade Klausuren am Rande einer Fünf einen sehr
hohen Korrekturaufwand erfordern.
Warum wir eine solche Haltung einnehmen, wird
möglicherweise nur durch den Kontext, in dem die SQ 31 entstanden ist und in
dem sie heute steht, verständlich.
Veranlasst durch die außerordentlich hohe Nachfrage
nach Schlüsselqualifikationen wurde die SQ 31 "Ökonomik" im
Sommersemester 2009 ins Leben gerufen. Ein wesentliches Ziel, das erreicht
werden soll, bestand und besteht darin, eine hohe Qualität der Ausbildung bei
gleichzeitig breiter Teilnahmemöglichkeit zu sichern. Die Kapazität ist de
facto nur durch die Räumlichkeiten begrenzt.
Hinsichtlich der Absicherung der Qualität steht die
SQ 31 in Konkurrenz zu anderen Angeboten, die zum Teil mit einem hohen
personellen Aufwand ein lediglich beschränktes Angebot von Studienplätzen
bereit stellen.
Die angestrebte Qualität kann u.E. nur gesichert
werden, wenn ein gewisses Minimum an Stoffvermittlung aus der Mikro- und der
Makroökonomik garantiert ist. Dieses „Minimum“ muss ein relativ geschlossenes
Ganzes ergeben, das die Studierenden befähigt, selbständig über ökonomische und
wirtschaftspolitische Zusammenhänge nachzudenken. Im wesentlichen wird dieses
Minimum durch den Inhalt der Vorlesungen zur Theorie und der zu den Methoden
definiert. Ideengeschichte und – im kommenden Sommersemester – Wissenschaftstheorie
sollen diesen ökonomischen Kern ergänzen, vertiefen und festigen.
Eine begleitende Übung, die ebenfalls öfter
gefordert worden ist, wäre in der Tat wünschenswert. Deshalb haben wir
Tutorenmittel beantragt, um im kommenden Semester zu testen, ob Übungen
wirklich für das Verständnis der wenigen mathematischen Beziehungen, die wir
verwenden, eine Verbesserung bringen.
Hinsichtlich der Fülle der möglichen Prüfungsfragen
ist darauf hingewiesen worden, dass wir damit der von uns kritisierten
Verschulung selber Vorschub leisten.
Auch das sehen wir anders. Ausgangspunkt ist unsere
– vielleicht bedenkenswerte – Meinung, dass niemand in der Lage ist, Antworten
auf hunderte von Fragen auswendig zu lernen. Um Verschulung zu verhindern,
müsste man die Anzahl der Fragen weiter erhöhen. Damit wird der Stoffumfang
keineswegs größer. Wer sich ein eigenes Bild von den volkswirtschaftlichen
Zusammenhängen mit Hilfe der empfohlenen Lehrbücher und den Vorlesungen
erarbeitet hat, der wird 90 Prozent der Fragen spielend beantworten können –
egal, wie viele es sind.
Vielleicht fand Herr Dreiling befremdlich, dass wir
die Studierenden erst um ihre Meinung fragen, um dann doch an unserer
festzuhalten. Es geht aber um etwas ganz anderes als beleidigte Rechthaberei,
nämlich um das Setzen klarer Maßstäbe. Die Studierenden, die sich im
Sommersemester wieder zu Hauf in die SQ 31 einschreiben werden, sollen wissen,
woran sie sind. Deshalb machen wir klare Ansage, welche Kritikpunkte wir
akzeptieren und welche nicht.
Während „Stoffüberangebot!“, „Übungen!“ und
„Verschulung!“ bedenkenswerte Kritiken sind, gab es auch Hinweise, die wir für
unsinnig halten. Dazu gehören: „nicht so viele Fachwörter“ und „nicht so
wissenschaftlich“. Für jemand, der gerade eine akademische Ausbildung an einer
Universität durchläuft, sollte es selbstverständlich sein, jedes unverstandene
Fremdwort nachzuschlagen, um den eigenen Wortschatz zu erweitern – und zwar
selbständig. (Auch dafür sind 210 Stunden Selbststudium da!) Und zum Vorwurf
„zu wissenschaftlich“: Eine Vorlesung kann gar nicht wissenschaftlich genug
sein.
Was die Kritik vielleicht meint, ist die Verständlichkeit.
In der Vorlesung zur Wissenschaftstheorie im kommenden Semester werden Ihre
Nachfolger lernen, dass Verständlichkeit ein wesentliches Element der
Wissenschaftlichkeit ist. Allerdings wird der Effekt des Verstehens
komplizierter Zusammenhänge in erster Linie durch eigene Anstrengungen erzeugt.
Lehrende können dabei nur eine Hilfestellung geben.
Um die Kommunikation zwischen Lernenden und
Lehrenden weiter zu verbessern, werden wir in Kürze die Webseite um ein
„Gästebuch“ erweitern, in dem Sie ihre Hinweise, Kritiken, Anregungen, Wünsche,
Fragen, Meinungen etc. auch anonym kundgeben können. Ohne deshalb mit einem
unangebrachten Eigenlob zu enden, möchten wir aber doch darauf hinweisen, dass
Sie ein so hohes Maß an Transparenz an den hohen Schulen dieses Landes suchen
und wohl selten finden werden.
Wir beabsichtigen, die Klausurergebnisse am 22.
Februar auf dieser Webseite und als Aushang an der
Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zu veröffentlichen.
F. & G. Quaas
Leipzig, den 19. Febr. 2010