Schlüsselqualifikation Ökonomik (SQ31):

Auswertung der studentischen Evaluation vom WS 2009/2010

 

 

Ausführliche Stellungnahme der Lehrenden

 

Johann Dreiling (Name frei erfunden) – obwohl kein Student der SQ 31 – meinte, dass die Stellungnahme der Lehrenden vom 17. Febr. 2010 von unserem Ärger über die Evaluationsergebnisse zeuge. Leider konnte nicht festgestellt werden, wodurch dieser falsche Eindruck erzeugt worden ist. Für Interessierte hier ein paar Erläuterungen, Hintergrundinformationen und ausführlichere Analysen.

 

Die am meisten wiederholte Kritik (sowohl verbal als auch in der Befragung) betrifft den Stoffumfang. Darüber haben wir uns auch am meisten Gedanken gemacht und sind zu der Meinung gekommen, dass der Kritik ein falscher Wertmaßstab zugrunde liegt. Für ein 10-Punkte-Modul ist ein Workload von 300 Stunden vorgesehen ist. Ob es sich dabei um ein Haupt- oder um ein Nebenfach handelt, spielt keine Rolle. Es ist auch nicht maßgebend, wie leicht oder wie schwer 10 LP in anderen „Kernfächern“ zu bekommen sind. Entscheidend sind die 300 Stunden.

 

Wir Lehrenden haben nicht den Eindruck, dass diese Zeit auch nur annähernd genutzt worden ist, um sich den Stoff anzueignen. Dieser Eindruck wird einerseits durch eine Reihe sehr guter Klausuren gestützt, für die die Vorbereitungszeit also durchaus gereicht hat, und andererseits dadurch, dass bei den weniger guten Klausuren auch nicht die Spur einer eigenständigen Beschäftigung mit dem Thema zu erkennen war. Wer glaubte, ohne Selbststudium und ohne Besuch der Lehrveranstaltung „durchzukommen“, ist auf die Nase gefallen. Wir sind der Meinung: zu Recht.

 

Diese Äußerung, die wir aus der ersten Stellungnahme übernommen haben, mag den Eindruck von Schadenfreude über die vielen Fünfen erzeugt haben, die es eben auch gab. Für Schadenfreude besteht aber auf unserer Seite überhaupt kein Anlass, da gerade Klausuren am Rande einer Fünf einen sehr hohen Korrekturaufwand erfordern.

 

Warum wir eine solche Haltung einnehmen, wird möglicherweise nur durch den Kontext, in dem die SQ 31 entstanden ist und in dem sie heute steht, verständlich.

 

Veranlasst durch die außerordentlich hohe Nachfrage nach Schlüsselqualifikationen wurde die SQ 31 "Ökonomik" im Sommersemester 2009 ins Leben gerufen. Ein wesentliches Ziel, das erreicht werden soll, bestand und besteht darin, eine hohe Qualität der Ausbildung bei gleichzeitig breiter Teilnahmemöglichkeit zu sichern. Die Kapazität ist de facto nur durch die Räumlichkeiten begrenzt.

 

Hinsichtlich der Absicherung der Qualität steht die SQ 31 in Konkurrenz zu anderen Angeboten, die zum Teil mit einem hohen personellen Aufwand ein lediglich beschränktes Angebot von Studienplätzen bereit stellen. 

 

Die angestrebte Qualität kann u.E. nur gesichert werden, wenn ein gewisses Minimum an Stoffvermittlung aus der Mikro- und der Makroökonomik garantiert ist. Dieses „Minimum“ muss ein relativ geschlossenes Ganzes ergeben, das die Studierenden befähigt, selbständig über ökonomische und wirtschaftspolitische Zusammenhänge nachzudenken. Im wesentlichen wird dieses Minimum durch den Inhalt der Vorlesungen zur Theorie und der zu den Methoden definiert. Ideengeschichte und – im kommenden Sommersemester – Wissenschaftstheorie sollen diesen ökonomischen Kern ergänzen, vertiefen und festigen.

 

Eine begleitende Übung, die ebenfalls öfter gefordert worden ist, wäre in der Tat wünschenswert. Deshalb haben wir Tutorenmittel beantragt, um im kommenden Semester zu testen, ob Übungen wirklich für das Verständnis der wenigen mathematischen Beziehungen, die wir verwenden, eine Verbesserung bringen.

 

Hinsichtlich der Fülle der möglichen Prüfungsfragen ist darauf hingewiesen worden, dass wir damit der von uns kritisierten Verschulung selber Vorschub leisten.

 

Auch das sehen wir anders. Ausgangspunkt ist unsere – vielleicht bedenkenswerte – Meinung, dass niemand in der Lage ist, Antworten auf hunderte von Fragen auswendig zu lernen. Um Verschulung zu verhindern, müsste man die Anzahl der Fragen weiter erhöhen. Damit wird der Stoffumfang keineswegs größer. Wer sich ein eigenes Bild von den volkswirtschaftlichen Zusammenhängen mit Hilfe der empfohlenen Lehrbücher und den Vorlesungen erarbeitet hat, der wird 90 Prozent der Fragen spielend beantworten können – egal, wie viele es sind.

 

 

Vielleicht fand Herr Dreiling befremdlich, dass wir die Studierenden erst um ihre Meinung fragen, um dann doch an unserer festzuhalten. Es geht aber um etwas ganz anderes als beleidigte Rechthaberei, nämlich um das Setzen klarer Maßstäbe. Die Studierenden, die sich im Sommersemester wieder zu Hauf in die SQ 31 einschreiben werden, sollen wissen, woran sie sind. Deshalb machen wir klare Ansage, welche Kritikpunkte wir akzeptieren und welche nicht.

 

Während „Stoffüberangebot!“, „Übungen!“ und „Verschulung!“ bedenkenswerte Kritiken sind, gab es auch Hinweise, die wir für unsinnig halten. Dazu gehören: „nicht so viele Fachwörter“ und „nicht so wissenschaftlich“. Für jemand, der gerade eine akademische Ausbildung an einer Universität durchläuft, sollte es selbstverständlich sein, jedes unverstandene Fremdwort nachzuschlagen, um den eigenen Wortschatz zu erweitern – und zwar selbständig. (Auch dafür sind 210 Stunden Selbststudium da!) Und zum Vorwurf „zu wissenschaftlich“: Eine Vorlesung kann gar nicht wissenschaftlich genug sein.

 

Was die Kritik vielleicht meint, ist die Verständlichkeit. In der Vorlesung zur Wissenschaftstheorie im kommenden Semester werden Ihre Nachfolger lernen, dass Verständlichkeit ein wesentliches Element der Wissenschaftlichkeit ist. Allerdings wird der Effekt des Verstehens komplizierter Zusammenhänge in erster Linie durch eigene Anstrengungen erzeugt. Lehrende können dabei nur eine Hilfestellung geben.

 

Um die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden weiter zu verbessern, werden wir in Kürze die Webseite um ein „Gästebuch“ erweitern, in dem Sie ihre Hinweise, Kritiken, Anregungen, Wünsche, Fragen, Meinungen etc. auch anonym kundgeben können. Ohne deshalb mit einem unangebrachten Eigenlob zu enden, möchten wir aber doch darauf hinweisen, dass Sie ein so hohes Maß an Transparenz an den hohen Schulen dieses Landes suchen und wohl selten finden werden.

 

Wir beabsichtigen, die Klausurergebnisse am 22. Februar auf dieser Webseite und als Aushang an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zu veröffentlichen.

 

 

F. & G. Quaas

Leipzig, den 19. Febr. 2010